...zahlenartige und abstrakte Zeichen weisen auf Verborgenes.

Multipliziert und geschichtet, nebeneinander und übereinander,

werden Inhalte in der künstlerischen Darstellung jeder Festlegung

und Eindeutigkeit enthoben. Barbara Prokschs Zeichen sind Verschlüsselungen und Aufschlüsselungen zugleich. Sie sind

literarisch und bildnerisch interpretierbar, und machen deutlich, dass jeder Gegenstand seine eigene Spiritualität entwickelt, losgelöst

von der ihm zugeordneten Eigenschaft.

...wenn die Figuren sich aus der Bandagierung lösen und aufrichten,

zeigen sie, dass sie die Kraft haben sich aufrecht zu halten.

Sie schreiten. Sie können Kultfiguren sein. Sie können die Nahtstelle

zu unserer Zeit markieren.

Denn sie wecken schemenhaft auch Bilder von Wandernden,

von Völkerwanderungen, von Zügen Flüchtender.

...linear nebeneinander geordnet, erscheinen sie wie Rhythmik

strenger Musik, wie die Zeichensprache einer fremdartigen

musikalischen Struktur.


Ingrid H. Helmke

Katalog >Valdivia< Frauenmuseum, Bonn 1993

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BuecherBuecher/Buecher.html
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...die Künstlerin macht sich zum Sachverwalter von Zeit und Vergänglichkeit. So ruhig wie intensiv, so unscheinbar wie eindringlich wirken die Arbeiten

von Barbara Proksch. Sie beharren nachhaltig auf Erinnerung. Es ist ein Erinnern, das Poetisches hervorruft, weil es die in den Dingen bewahrte Zeit an die Oberfläche bringt.

Zeichen, Schrift, Alphabete, Geschriebenes sind Dauerreize.

Im Geschriebenen wird Sprache fixiert und das Zeichen zum Bild.

Die Künstlerin "hört" in das Geschriebene hinein und lässt es

in der Erinnerung wieder präsent werden. Wenn sie bei ihren

Klang-performances Papiere durchlöchert, zerhackt und neben dem Licht,

das sie dadurch dem Blatt erschliesst, auch die kratzenden, schabenden

Töne dem Kunstwerk beimisst, lässt sie Zeichen zu Tönen werden

und hält ihre Spuren fest.

In den opto-phonen Klangzeichen, wie sie es nennt,  den destruktiv-konstruktiv zeichnerischen Prozessen, die über am Papier installierte Mikrophone akustisch verstärkt werden und ihre Spuren im Papier als visuell interpretierbare Lautschrift hinterlassen, vernetzt sie Sprache

und Schrift zu Bild und Klang und führt einen Dialog zwischen Auge und Ohr.

Das Papier wird zu einem Resonanzkörper und zum Lichtspeicher.

Der Ton gibt der Hand die Richtung an. „ Ich lerne sehen, was ich nur

zu hören gelernt  habe und ich lerne hören, was ich nur zu sehen gelernt habe“, beschreibt die Künstlerin den Prozess. Der Rest ist Schweigen, sozusagen, und lebt als fragile Zeichenstruktur im Papier fort.


Ines Kohl

Straubinger Tagblatt „Mit den Augen hören, mit den Ohren sehen“

22.03. 2006


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