Veröffentlicht

„…die Künstlerin macht sich zum Sachverwalter von Zeit und Vergänglichkeit. So ruhig wie intensiv, so unscheinbar wie eindringlich wirken die Arbeiten von Barbara Proksch. Sie beharren nachhaltig auf Erinnerung. Es ist ein Erinnern, das Poetisches hervorruft, weil es die in den Dingen bewahrte Zeit an die Oberfläche bringt. Zeichen, Schrift, Alphabete, Geschriebenes sind Dauerreize. Im Geschriebenen wird Sprache fixiert und das Zeichen zum Bild. Die Künstlerin „hört“ in das Geschriebene hinein und lässt es in der Erinnerung wieder präsent werden. Wenn sie bei ihren Klang-performances Papiere durchlöchert, zerhackt und neben dem Licht, das sie dadurch dem Blatt erschliesst, auch die kratzenden, schabenden Töne dem Kunstwerk beimisst, lässt sie Zeichen zu Tönen werden und hält ihre Spuren fest.
In den opto-phonen Klangzeichen, wie sie es nennt, den destruktiv-konstruktiv zeichnerischen Prozessen, die über am Papier installierte Mikrophone akustisch verstärkt werden und ihre Spuren im Papier als visuell interpretierbare Lautschrift hinterlassen, vernetzt sie Sprache und Schrift zu Bild und Klang und führt einen Dialog zwischen Auge und Ohr.
Das Papier wird zu einem Resonanzkörper und zum Lichtspeicher. Der Ton gibt der Hand die Richtung an. „ Ich lerne sehen, was ich nur zu hören gelernt habe und ich lerne hören, was ich nur zu sehen gelernt habe“, beschreibt die Künstlerin den Prozess. Der Rest ist Schweigen, sozusagen, und lebt als fragile Zeichenstruktur im Papier fort.“
Ines Kohl
Straubinger Tagblatt „Mit den Augen hören, mit den Ohren sehen“, 22.03. 2006

 

VÖLKERWANDERUNGEN

In den Völkerwanderungen von Barbara Proksch bewegen sich Schemen, Archetypen durch Bildräume. Sie erinnern an menschliche Gestalten, verpackt, verschnürt, aufrecht und gebückt. Ein spiralförmiger Zug auf einer Metallsäule endlos nach oben wandernd, sich windend und geschoben.
Der Zug wird zu einer Chiffre für die ständig sich vermehrende Kette von Menschen, die um die Erde wandern zu unbekannten Orten. Ein Mahnmal menschlicher Gebrechlichkeit und Würde – oder auch eine Siegessäule.
Wer die Arbeit von Barbara Proksch als journalistische Zeitbindung versteht und das Thema lediglich auf Aktualität bezieht, irrt. Diese Völkerwanderung sind eine Erscheinung der Ewigkeit, die Metapher aller Existenz, im Wandel, verwandeln und auflösen.
Heraus geholt aus geschichtsbeladenem Boden, Stätten alter Grablegung in Verbindung mit aktuellem Geschehen lassen diese Wandernden in Struktur und Rhythmus, zu Schriftzügen mutieren – formen sich chiffrenhaft zu einer zeitbindenden und zeitüberbrückenden Aussage gegen Vergessen – Erinnerung einfordernd.
Jedes menschliche Leben – ein Buchstabe im Schriftzug der Geschichte.“
Ingrid H. Helmke
Produzentengalerie Passau 1993

 

Faszinosum ERDE – Faszinosum SCHRIFT

„aus diesen zwei Bereichen lebt die Arbeit von Barbara Proksch…Ein Fundstück, eine Hacke, wird „persönlich“ bedeutend…wird als Grabungsmittel abstrakt, wird zum Zeichen unseres gebundenen Daseins… Es entsteht eine Geheimsprache, deren Chiffren auf dem Papier, dem Karton, der Folie in rhythmischen Räumen erscheinen… In Bezug auf ihre Arbeiten hat Barbara Proksch den Begriff „Kapselfigürlichkeit“ geprägt…als an menschliche Körper erinnernde Formen, in Bandagen verschlungen, abgelegt oder als Kostbares zu sichern in Kammern … multipliziert und geschichtet, nebeneinander und übereinander werden die Inhalte jeder Festlegung und Eindeutigkeit enthoben… Linear nebeneinander geordnet, erscheinen sie wie Rhythmik strenger Musik, wie die Zeichensprache einer fremdartigen musikalischen Struktur. …zahlenartige und abstrakte Zeichen weisen auf Verborgenes. Multipliziert und geschichtet, nebeneinander und übereinander, werden Inhalte in der künstlerischen Darstellung jeder Festlegung und Eindeutigkeit enthoben. Barbara Prokschs Zeichen sind Verschlüsselungen und Aufschlüsselungen zugleich. Sie sind literarisch und bildnerisch interpretierbar, und machen deutlich, dass jeder Gegenstand seine eigene Spiritualität entwickelt, losgelöst von der ihm zugeordneten Eigenschaft.
…wenn die Figuren sich aus der Bandagierung lösen und aufrichten, zeigen sie, dass sie die Kraft haben sich aufrecht zu halten. Sie schreiten. Sie können Kultfiguren sein. Sie können die Nahtstelle zu unserer Zeit markieren. Denn sie wecken schemenhaft auch Bilder von Wandernden, von Völkerwanderungen, von Zügen Flüchtender.“
Ingrid H. Helmke
VALDIVIA, Katalog, Frauenmuseum, Bonn 1993

 

Kurzer Bericht über Barbara Proksch auf Donau TV, anläßlich einer OPTO_PHON Performance.
Mit freundlicher Genehmigung von Donau TV


Interview anläßlich der Verleihung des Kulturpreises der Dr. Franz und Astrid Ritter-Stiftung für Bildende Kunst, 2007 in Straubing.
Mit freundlicher Genehmigung von TVA – Fernsehen für Ostbayern.